24StundenBurgenlandExtrem

Beitrag vom 30.01.2019 05:52 in 2019 , Abenteuer

Schon wieder ein Jahr rum....unser erstes großes Event 2019 stand vor der Tür! Leichtes Gepäck, ohne Rad, dafür mit Laufschuhen. Ja, wir haben uns wieder fürs 24Stunden Burgenland Extrem angemeldet. Da die Lakemania (3 Runden mit dem Rad um den Neusiedler See) dieses Jahr nicht stattfand, haben wir uns für 120km zu Fuß, sprich 1 Runde um den Neusiedler See entschieden. Schon etwas krank...aber geil :-)

Am Mittwochmittag war es so weit, wir machten uns auf den Weg ins Burgenland und kamen dort am Abend in unserer Ferienwohnung an. 
Den Donnerstag ließen wir ganz gechillt angehen, Startnummern holen, bissl gemütlich spazieren und Beine schonen.
 
Allein das Packen unserer Rucksäcke machte mich nervös...was erwartete uns? 
Schnee, Glatteis, Sonne, eisiger Wind?  
Wir entschieden uns für leichtes Gepäck, ok leicht ist gutgesagt, es war doch einiges. Außer den obligatorischen Sachen wie Essen, Tee, Erste Hilfepäckchen, Geld, Regenjacke und Handy packten wir noch ne Powerbank für die Stromversorgung, Fäustlinge, Ersatzsocken, Daunenjacke und noch einiges mehr ein.  Geplant war die Strecke größtenteils zu Joggen, mit regelmäßigen Gehpausen. 
Und falls alle Stricke reißen war nach ca.  60km war unser Personal-Support-Team mit Gertraud und Günter geplant. 
Hier schon mal ein herzliches Dankeschön!!!

Dann hieß es früh ins Bett zu verschwinden, immerhin war die Nacht um 3 Uhr schon wieder rum...Dank Günter standen wir um kurz nach vier in Oggau und warteten auf den Startschuss um 4:30 Uhr.
2000 verrückte gingen auf die 120km Strecke.  
Es lief gut, sogar der Wind hielt sich noch in Grenzen.  
Ein geiles Gefühl in den Sonnenaufgang zu Laufen.  
Die erste Verpflegung in Balf war nach nem guten Halbmarathon. Schnell bissl was gegessen, schöne Fotos gemacht und weiter ging es. Immer entlang des Radwegs B10.
An der nächsten Labe in Hegykö war auch der Start der 80km Läufer. 
Dann ging es auf einem Forstweg und weiter auf einem Trail auf die andere Seite vom See. Dort wurde der Wind zunehmend stürmisch und kam immer schön von vorne. 
Arschlochwind! 
Die Verpflegung in Sarrod ließen wir aus und kämpften uns immer schön gegen Norden. Es lief immer noch nach Plan Joggen und gehen im Wechsel auch wenn’s schwierig wurde den Körper auf Temperatur zu halten und bei den Böen zu Joggen. 
Am Einser Kanal mitten im Nirgendwo erwartete uns eine zusätzliche Labe Station, das tat gut warmer Tee und ne Kleinigkeit zu essen und weiter Richtung Österreich. 
Auf dem Weg übers Freie Feld zog der Wind Timo von einem auf den anderen Moment der Stecker. Er fing an zu zittern, die Finger waren steif und ich machte mir echt Gedanken. Also Rucksack runter Jacken an, die Fäustlinge über die Handschuhe und im Walkingschritt die nächsten 5 Km weiter….. Jetzt kamen die ersten Gedanken wars das? Müssen wir nach der Hälfte des Weges aufhören?  Ich rief Gertraud an wo sie ungefähr waren und ob es mit dem Treffen in Apetlon klappen würde!
Endlich in Apetlon dem Startort der 60er angekommen trafen wir auf unseren Support. Aufhören oder Weiter…. 
Nein Aufgeben war keine Option!!! 
Also die Daunen Jacken aus den Rucksäcken und die Wanderhosen die im Auto waren an und weiter ging`s! 
Günter und ich mussten Timo zwar helfen die Jacken auf und zu zumachen aber durch die Fäustlinge erholten sich die Finger langsam. An der Verpflegung tankten wir noch etwas warmen Tee und weiter gings. Immer schön gegen den Wind! 
Dieser Wind kostete unheimlich viel Energie. 
Zum Glück hatten wir uns und konnten uns gegenseitig motivieren. 
Manchmal hatte ich Probleme gerade zu Laufen, so schlimm war der Wind. 
Danke Timo für das Ziehen, ohne dich hätte ich mich irgendwann in einen Shuttle nach Oggau gesetzt. 
Die Monotonie am See entlang mit dem Wind von vorne machte das Ganze zu einer echten Grenzerfahrung. 
Man hatte Zeit in die Schmerzen, die nach und nach überall waren, hineinzuhören. 
Aber man konnte auch Lernen die Schmerzen etwas auszublenden.  
Timo hat recht: Schmerz ist nur ein Gefühl! Und DU entscheidest, wie sehr du es fühlen möchtest.
Es ging weiter, Kilometer für Kilometer, hatten ja keine andere Wahl. 
Labe für Labe, immer nur kurz stehen einen Tee und ne Kleinigkeit zu Essen und weiter, nur nicht zu lange sonst kühlte man direkt aus. Unsere Rucksackverpflegung glich schließlich einem Gefrierschrank! Die Gels mussten wir bevor wir sie essen konnten mit in die Fäustlinge stecken, damit sie wieder flüssig wurden.
In Neusiedel entschieden wir doch mal kurz rein zu gehen, Aufwärmen und in aller Ruhe im Sitzen warmen Tee zu trinken. Ab jetzt waren es noch 30 km und die Nacht holte uns ein. Es wurde immer ruhiger und wir hatten lange Abschnitte auf denen wir alleine unterwegs waren. Die 15 km bis zur letzten Verpflegung zogen sich und der kalte Wind frischte wieder auf! Nur kurz einen Warmen Tee und einen eiskalten Apfel an der Labe und wieder raus in die Kalte Nacht.
 ….oder doch in den Shuttle… nein…
Irgendwann war sie da: die dreistellige Zahl 100. 
Ok dieses fucking Stück Blech holen wir uns!!!
Schon verrückt,  fix und fertig und schmerzenden Blasen an den Füssen  ging es immer voran Richtung Oggau.  
Wie unser Freund Gregor sagte: Du musst nur einen Fuß vor den anderen setzen, Schritt für Schritt.
Ja und so war es, irgendwann nach knapp über 18 Stunden inklusive aller Pausen und knapp 120km in den Beinen befanden wir uns mit Pipi in den Augen im Zielbogen von Oggau mit dem verdammten Stück Blech um den Hals.

Wir hatten es geschafft!  Gemeinsam und mit der Motivation all unserer Freunde. An dieser Stelle ein großes Dankeschön! 

Timo plant schon das nächste Jahr...ich brauch glaub ich noch ein paar Tage. Aktuell überwiegen die Schmerzen noch. Aber der Schmerz geht, der Stolz bleibt...



Hier auch nochmal ein Dankeschön an die Veranstalter, ein gelungenes Event mit viel Herzblut am Start. 

Was gibt es zusammenfassend zur Verpflegung, Strecke und Ausrüstung zu sagen?

Die Labestationen bei denen wir in Balf, am Einser Kanal und in Hölle waren für uns ausreichend bestückt es gab Wasser, Tee, Cola und Energy Drinks dazu noch Snacks und Obst. Als wir da waren hielt sich auch der Andrang in Grenzen (war wohl später teilweise sehr eng was wir gehört haben) Also nichts zu meckern. 
In Apetlon waren wir zwar im Gasthaus haben aber nichts zu Essen gefunden, aber zu mindestens warmem Tee.  Auch in Neusiedel war genug zu Essen, Tee und Saft da ( da hätten wir uns ein Cola oder Energy Drink gewünscht), dann auf die letzten 30 Km nur noch eine Verpflegung war schon etwas Mau vor allem gabs an der letzten Labe nur Mineralwasser und Tee (Energy Drink, Cola oder Kaffee wären da auch schön gewesen), zu Essen gab es nur Hühner Brühe! Vegetarier hätten sich auch über eine warme Brühe ohne Fleischeinlage gefreut, die Äpfel waren aufgrund der Witterung einfach zu kalt,  bzw. der Körper eh schon zu ausgelaugt um auch noch kalte  Nahrung aufzunehmen. Es ist auf jeden Fall wichtig selbst genug zu Essen und zu Trinken dabei zu haben!!!
Die Strecke verläuft zum größten Teil entlang des Radweges B10! Sie ist gut aber nicht perfekt ausgeschildert ( letztes Jahr fanden wir die Ausschilderung besser!!!) 
Man sollte sich schon vorher mal mit der Strecke befassen oder die Strecke auf dem GPs haben! Gerade im Dunkeln musste man schon genau hinschauen wo die Markierungen waren. Morgens war das noch kein großes Problem da man nicht lang alleine war und sich an den Lichtern der anderen orientieren konnte. Aber am Abend wo wir auch mal alleine unterwegs waren musste man schon teilweiße nach Markierungen Suchen! 
Zum Glück wusste Timo noch vom letzten Jahr noch einigermaßen wo die Strecke entlang lief. 

Unsere Ausrüstung hat soweit ganz gut gepasst.
Erste Hilfe Paket mit Rettungsdecke, Powerbank für Handy und GPS, Stirnlampe mit Ersatz Akku, MP3 Player (Mit Musik geht’s zum Schluss einfach besser) ne Lippencreme gegen die Kälte usw.
Verpflegungstechnisch hatten wir jeder ne isolierte Trinkflasche außen und eine Isolierkanne im Rucksack, Gels und Riegel ( die sollte man aber irgendwie warm einpacken oder zumindest immer eins nahe am Körper tragen, sonst beißt man sich die Zähne aus) dazu noch Gel Chips und Getränke Pulver. 
 Bekleidungstechnisch hatten wir genug zum Anziehen dabei und trotzdem ist Timo so ausgekühlt das wir fasst hätten aufhören müssen. Da muss man wirklich frühzeitig  Klamotten an- und gegebenenfalls wieder ausziehen, auch wenn’s lästig ist ! Daraus haben wir gelernt ( hoffen wir wissen es auch beim nächsten Mal noch). Wir hatten zusätzlich zu den Laufklamotten die wir anhatten  noch ne Bontrager Regenjacke mit Kapuze gegen den Wind, leichte Daunenjacke zum unterziehen, Fäustlinge und Ersatzsocken dabei. Beim Thema Socken besteht Verbesserungsbedarf! Wir liefen beide mit Merinowolle Radsocken. Die waren zwar angenehm warm aber ab ungefähr 70km bekamen wir beide Probleme mit Blasen an den Füßen und die Füße und Knöchel wurden dick, Was auf dem letzten Viertel zum echten Problem wurde. Wir hatten zwar Ersatz Socken im Rucksack aber die wollten wir dann nicht mehr wechseln nachdem die Blasen da waren. Für`s nächste mal werden wir es mit hohen Laufkompressionssocken versuchen.